Schließkraftmessung an Hubtüren und trennenden Schutzeinrichtungen im Maschinenbau

remonic Hubtür mit Schließkraftmessgerät unter der Schließkante zur Überprüfung der Schließkräfte.

Welche Normen gelten, wann ist eine Schließkraftmessung erforderlich und welche Rolle spielt die Risikobeurteilung der Gesamtmaschine?

Kraftbetätigte Hubtüren werden im Maschinenbau häufig als bewegliche Elemente trennender Schutzeinrichtungen eingesetzt. Ihre Aufgabe besteht darin, Gefährdungsbereiche von zugänglichen Nutzungs- und Arbeitsbereichen abzugrenzen. Gleichzeitig kann die Bewegung der Hubtür selbst neue Gefährdungen verursachen, insbesondere durch Quetschen, Scheren im Zusammenhang mit dem Kontakt mit der bewegten Schließkante.

Die Schließkraftmessung ist eine Möglichkeit, das Schließverhalten einer solchen Tür zu überprüfen und die dabei auftretenden Kräfte zu bewerten.

Doch welche Normen gelten für die Schließkraftmessung an Maschinenschutztüren? Welche Grenzwerte sind einzuhalten? Und ist eine Messung bei jeder kraftbetätigten Hubtür erforderlich?

Welche Normen sind für die Schließkraftmessung relevant?

Bei Hubtüren als Bestandteil einer Maschinenanlage muss zwischen der Risikobeurteilung der Hubtür selbst und der sicherheitstechnischen Bewertung der Gesamtmaschine unterschieden werden.

Es gibt keine allgemeingültige Schließkraftmessnorm, die unabhängig vom Einsatzbereich für jede bewegliche trennende Schutzeinrichtung dieselben Grenzwerte und Prüfverfahren vorgibt.

Verschiedene technische Normen können jedoch für die Bewertung relevant sein:

NormBedeutung für die Schließkraftmessung
DIN EN ISO 12100Risikobeurteilung und Festlegung erforderlicher Maßnahmen zur Risikominderung
DIN EN 12453Beschreibt Anforderungen und Prüfverfahren zur Kraftmessung an kraftbetätigten Toren; bei Maschinenschutztüren gegebenenfalls als technische Orientierung nutzbar
DIN EN ISO 14120Anforderungen an die Gestaltung und Sicherheit trennender Schutzeinrichtungen
DIN EN ISO 14119Anforderungen an Verriegelungseinrichtungen und deren sicherheitsgerechte Einbindung in die Maschinensteuerung.
DIN EN ISO 13849-1Bewertung sicherheitsbezogener Steuerungsfunktionen, beispielsweise beim Stoppen einer gefährlichen Bewegung
DIN EN ISO 13855Sicherheitsabstände und Positionierung von Schutzeinrichtungen unter Berücksichtigung der Annäherung von Personen

Für die eigentliche Kraftmessung können ergänzend die Prüfverfahren der DIN EN 12453 herangezogen werden, in welche die frühere DIN EN 12445 integriert wurde. Da diese Normen ursprünglich für kraftbetätigte Tore entwickelt wurden, ist ihre Übertragbarkeit auf Hubtüren als bewegliche trennende Schutzeinrichtungen im Maschinenbau im Einzelfall zu prüfen.

Diese Normen sind nicht automatisch eigenständige Schließkraftmessnormen. Sie liefern vielmehr Grundlagen für die Risikobeurteilung, die Auswahl geeigneter (konstruktiver) Schutzmaßnahmen und deren sicherheitstechnische Bewertung.

Welche Anforderungen tatsächlich gelten, hängt von der bestimmungsgemäßen Verwendung und dem Sicherheitskonzept der jeweiligen Maschine ab.

Wie wird die Schließkraft einer Hubtür gemessen?

Bei einer Schließkraftmessung wird ein geeignetes Messgerät an einer definierten Position im Bewegungsbereich der Hubtür platziert.

Während des Schließvorgangs erfasst das Gerät die auftretende Kraft und deren zeitlichen Verlauf.

Dabei können insbesondere folgende Messgrößen relevant sein:

  • Dynamische Kraft: Kurzzeitig auftretende Kraft beim ersten Kontakt.
  • Statische Kraft: Über einen bestimmten Zeitraum anliegende Kraft.
  • Einwirkdauer: Zeitraum, in dem eine bestimmte Kraft auftritt bzw. anliegt.
  • Reaktionsverhalten: Verhalten der Hubtür nach einem erkannten Kontakt, beispielsweise Stoppen oder Reversieren.


Die erforderlichen Messpunkte, Prüfbedingungen und Bewertungskriterien ergeben sich aus der jeweiligen Risikobeurteilung und den anzuwendenden technischen Regelwerken. Als mögliche Grundlage für die Durchführung einer Kraftmessung können beispielsweise die Prüfverfahren der DIN EN 12453 dienen, sofern diese für die konkrete Anwendung geeignet sind.

Ein einzelner gemessener Kraftwert reicht nicht grundsätzlich aus, um die Sicherheit einer Hubtür nachzuweisen.

Wann ist eine Schließkraftmessung erforderlich?

Ob eine Schließkraftmessung erforderlich ist, hängt insbesondere davon ab, ob Personen mit der bewegten Schließkante in Kontakt kommen können und welche Schutzmaßnahmen vorgesehen sind.

AnwendungSicherheitstechnische Betrachtung
Maschinenanlage mit PersonenverkehrZugänglichkeit der Schließkante, Quetschgefährdungen und gegebenenfalls erforderliche Kraftmessung
Automatisierte RoboteranlageZugangssicherung, Verriegelungen und sichere Bewegungsabläufe
Gemischter Personen- und RoboterverkehrKombination verschiedener Schutzmaßnahmen und Prüfung möglicher Kontaktgefährdungen
Automatisierte FördertechnikZugänglichkeit der Gefahrenstellen und sichere Abstimmung der Bewegungsabläufe

Auch bei Anlagen ohne regulären Personenverkehr müssen mögliche Gefährdungen während Wartung, Reinigung und Störungsbeseitigung berücksichtigt werden.

Eine Schließkraftmessung ist somit nicht grundsätzlich bei jeder Hubtür vorgeschrieben. Sie kann jedoch ein wichtiger Bestandteil des Sicherheitsnachweises sein, wenn eine Begrenzung der Kontaktkräfte als Schutzmaßnahme vorgesehen ist.

Wer legt die Anforderungen an die Schließkraftmessung fest?

Industrielle Hubtüren werden häufig als unvollständige Maschinen geliefert und erst durch den Anlagenbauer in eine vollständige Maschinenanlage integriert.

Der Hersteller der Hubtür bewertet die Gefährdungen innerhalb seines Lieferumfangs und berücksichtigt die hierfür relevanten Sicherheitsanforderungen.

Welche zusätzlichen Anforderungen sich aus der späteren Verwendung ergeben, kann jedoch erst im Zusammenhang mit der Gesamtmaschine abschließend beurteilt werden.

Beispielsweise kann dieselbe Hubtür in einer vollständig gesicherten Roboterzelle oder in einem Bereich mit regelmäßigem Personenverkehr eingesetzt werden.

Die Anforderungen an das Sicherheitskonzept können sich dadurch erheblich unterscheiden.

Die Festlegung der für die Gesamtmaschine erforderlichen Schutzmaßnahmen, Prüfverfahren und Bewertungskriterien liegt deshalb beim verantwortlichen Maschinenhersteller beziehungsweise Anlagenintegrator.

Der Hersteller der Hubtür kann diese Bewertung durch technische Informationen, Messungen und anwendungsspezifische Unterstützung begleiten.

Sicherheitstechnische Konstruktion der remonic® Hubtüren

remonic® Hubtüren werden als bewegliche Elemente zur Trennung von Gefährdungs- und Nutzungsbereichen eingesetzt. Da die meist vertikale Bewegung der Tür selbst eine Gefährdung darstellen kann, werden bereits bei ihrer Konstruktion zahlreiche sicherheitstechnische Aspekte berücksichtigt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Doppelt ausgelegte Tragmittel und eine Sicherung bei Tragmittelversagen.
  • Eine gummierte Bumperleiste an der Schließkante und eine auf die Vermeidung von Schergefahren ausgerichtete Konstruktion.
  • Hochsensible Kontaktdetektion mit anschließendem Reversieren des Türblatts in die geöffnete Stellung.
  • Temperaturüberwachung mit entsprechender Abschaltfunktion.
  • Definierte Reaktion bei Spannungsabfall oder Stromausfall mit sofortiger Bremsung.
  • Eine nicht selbsthemmende Konstruktion, die ein manuelles Hochschieben des Türblatts im stromlosen Zustand ermöglicht.


Diese konstruktiven und steuerungstechnischen Eigenschaften sind Bestandteil der produktspezifischen Sicherheitsbetrachtung. Sie unterstützen die Integration der remonic® Hubtüren in unterschiedliche Maschinen- und Anlagenkonzepte.

Schließkräfte an remonic® Hubtüren anpassen und überprüfen

remonic® Hubtüren werden mit definierten werkseitigen Betriebsparametern ausgeliefert. Da die Anforderungen an das Schließverhalten von der jeweiligen Einbausituation abhängen können, lassen sich relevante Parameter ohne spezielle Programmierkenntnisse anpassen.

Damit können Anlagenbauer das Bewegungs- und Schließverhalten innerhalb der vorgesehenen technischen Grenzen auf die Anforderungen ihrer Anwendung abstimmen.

Für entsprechende Prüfungen stehen bei remonic® professionelle Schließkraftmessgeräte zur Verfügung. Die Messung kann auf Grundlage eines zuvor festgelegten Prüfverfahrens durchgeführt werden.

Sollten die ermittelten Werte eine Anpassung erforderlich machen, können die vorgesehenen Betriebsparameter verändert und die Ergebnisse anschließend erneut überprüft werden.

Die endgültige Bewertung, ob sämtliche Anforderungen der Gesamtmaschine erfüllt werden, erfolgt im Rahmen ihrer Risikobeurteilung und sicherheitstechnischen Validierung.

Fazit: Schließkraftmessung ist Teil der Gesamtbetrachtung

Die Schließkraftmessung ist ein wichtiges Verfahren zur Bewertung möglicher Kontaktgefährdungen an kraftbetätigten Hubtüren und beweglichen trennenden Schutzeinrichtungen.

Welche Messverfahren und Bewertungskriterien anzuwenden sind, hängt von der tatsächlichen Verwendung und den vorhandenen Gefährdungen ab.

Während der Hersteller einer Hubtür die Sicherheit seines Lieferumfangs bewertet, liegt die abschließende sicherheitstechnische Betrachtung der Gesamtmaschine beim hierfür verantwortlichen Maschinenhersteller.

remonic® unterstützt Anlagenbauer mit sicherheitstechnisch durchdachten Hubtüren, anpassbaren Betriebsparametern und der Möglichkeit, Schließkraftmessungen entsprechend den festgelegten Anforderungen durchzuführen.

Transparenzhinweis

Die dargestellten Informationen basieren auf öffentlich zugänglichen Fachinformationen, technischen Normen und Richtlinien sowie eigenen technischen Erfahrungen und Bewertungen.

Die jeweils anzuwendenden Anforderungen und Prüfverfahren können je nach Einsatzbereich, Risikobeurteilung und Anlagenkonfiguration variieren. Der Beitrag dient der allgemeinen technischen Orientierung und ersetzt weder die eigenständige Prüfung der geltenden Vorschriften und Normen noch die gegebenenfalls erforderliche Beratung, Bewertung und Dokumentation durch entsprechend qualifizierte Fachunternehmen oder Sachverständige.

Detaillierte Informationen zu unseren Hubtüren und deren Ausführungsvarianten finden Sie hier → Hubtüren

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